Stoffprofil: DM-DED (3-(Dimethylamino)-2,2-dimethylpropyl-4-aminobenzoat)
DM-DED (Synonym: Dimethyl-desethyldimethocain oder DMDED) ist ein synthetisches Derivat aus der Gruppe der 4-Aminobenzoesäureester (PABA-Ester). Es stellt eine strukturelle Modifikation des Lokalanästhetikums Dimethocain (Larocain) dar und wird im Markt für Novel Psychoactive Substances (NPS) und Research Chemicals als Stimulanzien-Ersatzstoff angeboten.
1. History and Culture (Geschichte und kultureller Kontext)
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Historische Basis: Die Mutterverbindung Dimethocain wurde in den 1930er-Jahren von Hoffmann-La Roche als Lokalanästhetikum synthetisiert. Aufgrund seiner im Vergleich zu Procain leicht dopaminergen Begleitwirkung fand es ab den 2000er-Jahren Eingang in den Markt für Legal Highs.
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Entstehung von DM-DED: Durch zunehmende Regulierungen klassischer Stimulanzien (wie synthetischer Cathinone und Amphetamin-Derivate) modifizierten Syntheselabore das Dimethocain-Gerüst. DM-DED entstand durch den Austausch der beiden Ethylgruppen am Aminostickstoff gegen Methylgruppen, um spezifische Nomenklatur- und Stofflistenverbote zu umgehen.
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Szenekontext & Rezeption: DM-DED wird von Händlern oft als Stimulanz oder funktioneller Kokain-Ersatz beworben. In Konsumentenberichten wird die Substanz jedoch weitgehend als pharmakologisch enttäuschend beschrieben, da die periphere Betäubung und vegetative Nebenwirkungen die minimale zentrale Stimulation deutlich überwiegen.
2. Chemistry (Chemie und Struktur)
DM-DED ist ein Ester aus 4-Aminobenzoesäure (PABA) und dem Aminoalkohol 3-(Dimethylamino)-2,2-dimethylpropan-1-ol. Im Vergleich zu Dimethocain (das eine Diethylamino-Gruppe trägt) ist der terminale Aminostickstoff mit zwei Methylgruppen substituiert.
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H2N ──/¯¯\─C─O─CH2─C(CH3)2─CH2─N(CH3)2
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| Parameter | Chemische Spezifikation |
| Systematischer Name (IUPAC) | 3-(Dimethylamino)-2,2-dimethylpropyl-4-aminobenzoat |
| Synonyme | DM-DED, Dimethyl-desethyldimethocain, Desethyl-dimethyldimethocain |
| Stoffklasse | 4-Aminobenzoat / Aminoalkylbenzoat-Lokalanästhetikum |
| Summenformel | $\text{C}_{14}\text{H}_{22}\text{N}_2\text{O}_2$ |
| Molmasse | 250,34 g/mol (freie Base) |
| Typische Form | Weißes bis leicht gelbliches kristallines Pulver (meist als Hydrochlorid-Salz) |
3. Pharmacology (Pharmakologie und Wirkmechanismus)
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Lokalanästhesie: DM-DED blockiert wie andere Ester-Lokalanästhetika spannungsabhängige Natriumkanäle ($\text{Na}_v$) an peripheren Nervenfasern. Dies verhindert den Natrium-Einstrom, blockiert Aktionspotenziale und unterbindet die Schmerzweiterleitung.
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Monoamin-Wiederaufnahmehemmung: Während Dimethocain eine schwache bis moderate Hemmung des Dopamintransporters (DAT) aufweist (ca. 1/10 bis 1/20 der Potenz von Kokain), führt die sterische Verkleinerung der $N$-Alkylketten zu Dimethylamino-Gruppen bei DM-DED zu einer vergleichbar schwachen oder leicht verminderten DAT-Affinität. Es fehlt die ausgeprägte Selektivität und Bindungsstärke echter Psychostimulanzien.
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Metabolismus: Der Abbau erfolgt vor allem über unspezifische Plasma- und Leberesterasen (Pseudocholinesterasen). Bei der Spaltung entstehen 4-Aminobenzoesäure (PABA) und 3-(Dimethylamino)-2,2-dimethylpropan-1-ol.
4. Subjective Effects (Subjektives Wirkprofil)
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Lokale Betäubung: Sehr schneller Eintritt einer intensiven Taubheit auf den Schleimhäuten (Zunge, Rachen, Nasenschleimhaut).
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Periphere vegetative Effekte: Deutliche körperliche Reaktionen wie Tachykardie (Herzrasen), Blutdruckanstieg, Schwitzen, Tremor und innere Unruhe.
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Zentrale Stimulation: Nur sehr schwache bis kaum spürbare kognitive Euphorie oder Wachheit; es fehlt der für klassische Stimulanzien typische euphorische Dopamin-Peak.
5. Toxicity and Harm Potential (Toxizität und Risikoprofil)
Aufgrund der doppelten Wirkung auf kardiale Natriumkanäle und das vegetative Nervensystem birgt DM-DED erhebliche Risiken:
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Kardiotoxizität: Hohe Dosen können schwere kardiale Erregungsleitungsstörungen, Arrhythmien und bei massiver Überdosierung einen kardiovaskulären Kollaps auslösen (LAST – Local Anesthetic Systemic Toxicity).
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ZNS-Toxizität: Systemische Intoxikationen mit Lokalanästhetika führen über eine anfängliche ZNS-Erregung (Schwindel, Tinnitus, Verwirrung) direkt zu tonisch-klonischen Krampfanfällen und Atemdepression.
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Allergenes Potenzial: Das Spaltprodukt para-Aminobenzoesäure (PABA) ist ein bekanntes Kontakt- und Inhalationsallergen, das allergische Reaktionen der Haut, Atemwege und im Extremfall anaphylaktoide Reaktionen auslösen kann.
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Lokale Schleimhautschäden: Die nasale Applikation führt zu Reizungen, chemischen Verätzungen der Nasenschleimhäute und erhöht das Risiko von Gewebsnekrosen.
6. Legal Status (Rechtlicher Status)
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Deutschland:
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Ist nicht explizit im Betäubungsmittelgesetz (BtMG) namentlich gelistet.
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Fällt im Regelfall nicht unter die Stoffgruppen des Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetzes (NPSG), da reine Benzoesäureester-Lokalanästhetika nicht den dort definierten Kernstrukturen (z. B. 2-Phenethylamine, Cathinone) entsprechen.
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Dieses Produkt ist ausschließlich für Laborforschungszwecke bestimmt und darf nicht für andere Zwecke verwendet werden.
